Osteoporose & Muskelfaseraktivität – warum Muskeln die Knochen schützen
Muskel und Knochen – ein Team
Knochen reagieren auf Kräfte. Die grössten Kräfte, die auf das Skelett wirken, entstehen nicht durch das Körpergewicht, sondern durch den Zug der Muskeln an ihren Ansatzstellen. Deshalb sprechen Fachleute von der „Muskel-Knochen-Einheit“: Wo die Muskulatur stark ist, ist meist auch der Knochen dicht – und umgekehrt. Dieses Prinzip beschreibt das Wolffsche Gesetz.
Muskeln und Knochen tauschen zudem Botenstoffe aus: Arbeitende Muskeln setzen Signalstoffe (Myokine) frei, die auch Knochenzellen beeinflussen.
Die Muskelfasertypen
Skelettmuskeln bestehen aus unterschiedlichen Fasern:
- *Typ I* („langsam“) – Eigenschaften: ausdauernd, ermüden kaum · Aufgabe: Haltung, Gehen
- *Typ IIA* („schnell, ausdauernd“) – Eigenschaften: schnell und kräftig, mässig ermüdbar · Aufgabe: aktive Grundspannung, schnelle Reaktionen
- *Typ IIX* („schnell, kräftig“) – Eigenschaften: sehr schnell, rasch ermüdbar · Aufgabe: Sprünge, Sprints, Abfangen eines Sturzes
Die schnellen Typ-II-Fasern erzeugen die kurzen, hohen Kraftspitzen, die für den Knochen besonders wirksame Reize sind. Sie sind auch entscheidend, um bei einem Stolpern blitzschnell das Gleichgewicht wiederzufinden.
Was sich im Alter verändert
Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelmasse ab (Sarkopenie). Studien zeigen, dass vor allem die Typ-II-Fasern kleiner werden, während die Typ-I-Fasern weitgehend erhalten bleiben (Nilwik et al., 2013). Die Folgen:
- Die kurzen, kräftigen Belastungsreize für den Knochen fehlen – das Gleichgewicht zwischen Knochenaufbau durch Osteoblasten und Knochenabbau durch Osteoklasten verschiebt sich zum Abbau.
- Reaktionsschnelligkeit und Gleichgewicht nehmen ab – das Sturzrisiko steigt.
- Osteoporose und Sarkopenie treten deshalb häufig gemeinsam auf (manchmal „Osteosarkopenie“ genannt). Die Kombination aus brüchigen Knochen und erhöhtem Sturzrisiko macht Frakturen besonders wahrscheinlich.
Was hilft?
- Krafttraining – auch im hohen Alter wirksam. Empfohlen werden 2–3 Einheiten pro Woche für Bein- und Rumpfmuskulatur (Rheumaliga Schweiz).
- Schnellkraft- und Gleichgewichtstraining: zügiges Aufstehen, Treppensteigen, Tai-Chi, Tanzen, Tandemstand.
- Stossbelastung: Hüpfen, Stampfen, schnelles Gehen – sofern ärztlich unbedenklich.
- Genügend Eiweiss und Vitamin D zum Erhalt der Muskelmasse.
- Mechanische Stimulation für Menschen, die sich wenig bewegen können: Die Low Intensity Vibration (LiV) überträgt sehr feine, schnelle Schwingungen über die Füsse auf Beine, Hüfte und Wirbelsäule. Sie soll Knochen- und Muskelzellen anregen und kann mit Marodyne LiV täglich 10 Minuten im Stehen angewendet werden – ergänzend zu Bewegung und ärztlicher Therapie.
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Quellen
- Nilwik R et al. The decline in skeletal muscle mass with aging is mainly attributed to a reduction in type II muscle fiber size. Exp Gerontol. 2013;48(5):492–498.
- Rheumaliga Schweiz: Osteoporose – Bewegung. https://www.rheumaliga.ch/wissen/diagnosen/osteoporose.html
- Frost HM. Bone's mechanostat: a 2003 update. Anat Rec A. 2003;275(2):1081–1101.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.