Homocystein
Was ist Homocystein?
Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die im Körper beim Abbau der Aminosäure Methionin entsteht. Methionin nehmen wir mit eiweisshaltiger Nahrung auf. Anders als andere Aminosäuren wird Homocystein nicht zum Aufbau von Eiweissen verwendet – es muss rasch weiterverarbeitet werden.
Dafür gibt es zwei Wege:
Remethylierung: Homocystein wird wieder zu Methionin umgebaut. Dafür braucht der Körper aktives Folat (L-Methylfolat) und Vitamin B12.
Transsulfurierung: Homocystein wird zu Cystein abgebaut. Dafür ist Vitamin B6 nötig.
Fehlt einer dieser Mikronährstoffe oder arbeiten die beteiligten Enzyme weniger effizient, staut sich Homocystein im Blut. Man spricht dann von einer Hyperhomocysteinämie.
Normalwerte und erhöhte Werte
Homocystein wird im Blut (Plasma) gemessen, am besten nüchtern. Die Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor leicht. Häufig gilt:
- unter ca. 10 µmol/l: unauffällig
- ca. 10–15 µmol/l: grenzwertig bis leicht erhöht
- über 15 µmol/l: erhöht (Hyperhomocysteinämie)
- über 30 µmol/l: deutlich erhöht, weitere Abklärung nötig
Massgeblich ist immer der Referenzbereich des untersuchenden Labors und die Beurteilung durch die Ärztin oder den Arzt.
Ursachen für erhöhte Werte
- Mangel an Folat, Vitamin B12 oder Vitamin B6 (z. B. durch einseitige Ernährung, verminderte Aufnahme im Alter, vegane Ernährung ohne B12-Ergänzung)
- genetische Varianten, z. B. im Enzym MTHFR, das Folsäure in die aktive Form umwandelt
- eingeschränkte Nierenfunktion
- bestimmte Medikamente (z. B. Metformin, Methotrexat, einige Antiepileptika)
- Lebensstil: Rauchen, hoher Alkohol- und Kaffeekonsum, Bewegungsmangel
- zunehmendes Alter
Warum Homocystein für die Augen wichtig ist
Erhöhtes Homocystein schädigt die Innenwand kleiner Blutgefässe (Endothel) und kann Nervenzellen belasten. Die Netzhaut ist eines der am stärksten durchbluteten Gewebe des Körpers und auf eine intakte Mikrozirkulation angewiesen.
Studien zeigen Zusammenhänge zwischen erhöhtem Homocystein und mehreren Augenerkrankungen:
- Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): In der australischen Blue-Mountains-Kohorte war ein höherer Homocysteinspiegel mit einem höheren Risiko verbunden, innerhalb von 10 Jahren eine AMD zu entwickeln; ein Folat- oder B12-Mangel erhöhte das Risiko ebenfalls (Gopinath et al., 2013).
- Diabetische Retinopathie: Metaanalysen fanden bei Menschen mit Diabetes und Retinopathie im Mittel höhere Homocysteinwerte als bei Diabetikern ohne Netzhautschäden.
- Glaukom und Netzhautgefässverschlüsse: Auch hier werden erhöhte Werte in Studien häufiger beobachtet. Eine deutsche Übersichtsarbeit beschreibt einen Zusammenhang zwischen dem Homocysteinspiegel und Defekten der retinalen Nervenfaserschicht (Jünemann et al., 2018).
Wichtig: Ein statistischer Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass Homocystein die Ursache ist. Ob eine Senkung des Werts den Krankheitsverlauf verändert, wird derzeit in kleineren Studien untersucht (siehe Studien und Informationen über Ocufolin®).
Homocystein senken – was ist möglich?
Da der Abbau von Folat, B12 und B6 abhängt, lässt sich ein erhöhter Wert bei einem Mangel meist durch eine gezielte Zufuhr dieser Vitamine senken. Bei Menschen mit einer verminderten Umwandlung von Folsäure (z. B. MTHFR-Variante) kann die bereits aktive Form L-Methylfolat sinnvoll sein.
Für ältere Menschen mit degenerativen Augenerkrankungen und erhöhtem Homocystein gibt es ein Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke: Ocufolin® forte. Es enthält L-Methylfolat, Vitamin B6 (als Pyridoxal-5'-phosphat) und Vitamin B12 sowie weitere Mikronährstoffe und wird unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt.
Tipp: Lassen Sie Homocystein zusammen mit Vitamin B12 und Folat bestimmen – so lässt sich die Ursache eines erhöhten Werts besser einordnen.
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Quellen
Gopinath B et al. Homocysteine, folate, vitamin B-12, and 10-y incidence of age-related macular degeneration. Am J Clin Nutr. 2013;98(1):129–135. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23636242/
Association between homocysteine level and the risk of diabetic retinopathy: a systematic review and meta-analysis (11 Studien, 2184 Patienten; OR 1,62). Diabetology & Metabolic Syndrome, 2018. https://link.springer.com/article/10.1186/s13098-018-0362-1
Jünemann A et al. Stellenwert von Homocystein in der Augenheilkunde. Klin Monatsbl Augenheilkd. 2018;235:163–174.
Wright AD, Martin N, Dodson PM. Homocysteine, folates, and the eye. Eye. 2008;22:989–993. https://www.nature.com/articles/6703061
Ocufolin.ch: Homocystein. https://ocufolin.ch/homocystein
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.